Durch genaue Beobachtung der Natur entstand die Naturmedizin.
Besonders hilfreich dabei waren Tierbeobachtungen. In der Fauna
unserer Welt werden noch Instinkte verspürt, die uns leider schon
lange verloren gegangen sind.
Die machten sich unsere Urahnen zunutze, sammelten auch damit Wissen
um die Heilkräfte ihrer Umwelt. Tiere fressen zum Beispiel bestimmte
Kräuter und Gräser, wenn sie sich den Magen verdorben haben, sogar
Efeu und Alraunenwurzeln, besonders bitter im Geschmack und sonst
gemieden, „verordnen“ sie sich.

Man beobachtete Hirsche, die nach
Rangkämpfen ihre Wunden im Heilmoorwasser badeten, und Ziegen, sonst
heikle „Feinspitze“, die Heilmoorerde fraßen, um giftige Kräuter wie
den Schierling verdauen zu können. Auch Raben, an Giftköder geraten,
zupfen sich im Heilmoor Kräuter und überleben.
Was den Tieren der
Instinkt sagt, können wir heute erklären: Viele Wirkstoffe der im
Heilmoor versunkenen Heilkräuter und Pflanzen, wie Phytohormone und
– aus dem pflanzlichen Material durch einen biologischen
Umwandlungsprozess entstandene – Lignine, Bitumina, Proteine,
Pektine, Huminsäuren, Fulvosäuren und die im Moor angereicherten
Mineralstoffe und Spurenelemente, sind Ursache für die heilenden
Eigenschaften.
Doch da diese Substanzen nicht isoliert wirken wie
künstliche Medikamente, sondern in Gemeinschaft, entstehen die
heilenden und lindernden Wirkungen – eine Erkenntnis aus der
aktuellen Phytotherapie und eine wunderbare Eigenschaft des
einzigartigen „Moor-Bouquets“ von Neydharting.
Ein besonders genauer
Beobachter war Paracelsus (siehe
Abb.), 1493 als Theophrast Bombast von Hohenheim
geboren, ein berühmter Arzt und Naturforscher, der als Erster die
chemischen und physikalischen Grundlagen des Lebens erkannte und
deshalb als Begründer der pharmazeutischen Chemie gilt. Das Ziel
aller seiner Behandlungen ist die Erhaltung und Pflege der
natürlichen Lebenskraft. In seinem „Baderbüchlein“ empfahl er
Heilerden und Heilmoore, auch das von ihm besuchte „Gemös in
Neydhärding“, zur Behandlung verschiedener Krankheiten: Gelbsucht
und Gallenleiden, Fieberauszug, Förderung der Esslust, schnelleres
Heilen von Vernarbungen, Unfruchtbarkeit. Für vieles konnten
wissenschaftliche Beweise gefunden werden. Doch schon vor ihm,
bereits um 1360, werden Heilmoorwasser- Moorbäder in Neydharting
erwähnt.
|
Schon von Paracelsus entdeckt..
|
Damit ist dieses oberösterreichische Heilmoor das älteste
bekannte Heilmoorbad der Welt. |
|